Wertschöpfung & Prozesse

Was ineffiziente Meetings Ihr Unternehmen im Jahr wirklich kosten – und wie Sie das in vier Wochen abstellen

Für Inhaber und Geschäftsführer, die das Gefühl haben, zu viel Zeit in Besprechungen zu verbringen – und deren Mitarbeitende ebenso.

Die meisten Unternehmen diskutieren ihre Probleme länger, als sie für deren Lösung bräuchten

Wenn ich Führungskräfte frage, warum ein bestimmtes Thema seit Monaten nicht gelöst ist, bekomme ich erstaunlich oft dieselbe Antwort: Dazu hätten sie doch bereits mehrere Termine gehabt. Das ist aufschlussreich, denn die Termine waren in diesen Fällen nicht die Lösung. Sie waren längst Teil des Problems geworden.

In vielen Unternehmen wird ausführlich über Herausforderungen gesprochen. Es wird analysiert, abgestimmt, informiert und diskutiert, und trotzdem bleiben am Ende die Entscheidungen aus, die Verantwortlichkeiten unklar und die eigentliche Umsetzung verschoben auf den nächsten Termin. Je stärker ein Unternehmen wächst, desto ausgeprägter wird dieses Muster. Die Zahl der Besprechungen steigt, immer mehr Personen werden eingeladen, die Abstimmungen werden umfangreicher und gleichzeitig entsteht das paradoxe Gefühl, dass für die wirklich wichtigen Themen immer weniger Zeit bleibt.

Die Folge kennen viele Geschäftsführer aus eigener Erfahrung: Strategische Themen bleiben liegen, Entscheidungen dauern länger als nötig, und Führungskräfte arbeiten zunehmend im Unternehmen statt am Unternehmen. Genau deshalb lohnt es sich, Meetings nicht länger als organisatorische Selbstverständlichkeit zu betrachten, sondern als das, was sie wirtschaftlich tatsächlich sind: eine erhebliche, laufende Investition. Und die entscheidende Frage lautet nicht, wie viele Besprechungen stattfinden, sondern welchen Beitrag sie tatsächlich zur Wertschöpfung leisten.

Schaubild: Was ein Meeting wirklich kostet – sichtbare Stunde und verborgene Folgekosten
Die im Kalender sichtbare Stunde ist nur die Spitze. Der weitaus größere Teil der Kosten liegt unter der Oberfläche und taucht in keiner Auswertung auf.

Warum Meetings deutlich teurer sind, als die meisten Geschäftsführer vermuten

Auf den ersten Blick erscheint ein einstündiges Meeting mit ein paar Führungskräften harmlos. Rechnet man es jedoch sauber durch, ergibt sich ein anderes Bild. Nehmen wir zehn Führungskräfte mit durchschnittlichen Vollkosten von 100 Euro pro Stunde. Eine Stunde Besprechung kostet damit zunächst 1.000 Euro. Findet dieses Meeting wöchentlich statt, sind das bereits mehr als 50.000 Euro im Jahr – für eine einzige wiederkehrende Besprechung.

Die unsichtbaren Folgekosten

Und an dieser Stelle beginnt die eigentliche Rechnung erst. Denn die reine Besprechungszeit ist nur der sichtbare Teil. Hinzu kommen die Vorbereitung, die Nachbereitung, die Rückfragen im Nachgang, die zusätzlichen Abstimmungen, die vertagten Entscheidungen und die daraus entstehenden Folgetermine. Besonders teuer ist ein Effekt, den kaum jemand auf der Rechnung hat: der Kontextwechsel. Wer aus konzentrierter Arbeit in ein Meeting und wieder zurück wechselt, braucht jedes Mal Zeit, um wieder hineinzufinden. Diese verlorenen Minuten erscheinen in keinem Kalender, summieren sich über das Jahr aber zu einem beträchtlichen Posten.

Interessanterweise beschäftigen sich die meisten Unternehmen sehr genau mit Materialkosten, Fremdleistungen oder Reisekosten. Über jede größere Anschaffung wird diskutiert. Die Kosten von Meetings dagegen werden praktisch nie betrachtet, obwohl sie in einem Dienstleistungsunternehmen oft deutlich höher ausfallen als viele der Positionen, die sorgfältig kontrolliert werden. Es ist eine der größten unsichtbaren Kostenstellen überhaupt – gerade weil sie nie auf einer Rechnung erscheint.

Jahresrechnung eines wöchentlichen Meetings mit zehn Führungskräften
Aus einer scheinbar harmlosen wöchentlichen Stunde wird schnell ein fünf- bis sechsstelliger Jahresbetrag.

Das eigentliche Problem sind nicht die Meetings

Bei allem, was sich gegen schlechte Besprechungen sagen lässt, möchte ich eines klarstellen: Meetings sind nicht das Problem. Gute Meetings gehören zu den wichtigsten Führungsinstrumenten überhaupt. Sie schaffen Orientierung, beschleunigen Entscheidungen, fördern die Zusammenarbeit und lösen Probleme, die sich per E-Mail niemals lösen ließen. Die richtige Frage lautet deshalb nicht, ob ein Unternehmen zu viele Meetings hat, sondern ob es die richtigen hat.

Nach meiner Erfahrung finden in vielen Unternehmen Besprechungen vor allem deshalb statt, weil sie historisch gewachsen sind – nicht, weil sie heute noch einen klaren Zweck erfüllen. Man trifft sich, weil man sich immer getroffen hat. Häufig sitzen Personen mit am Tisch, die gar keinen Beitrag leisten müssen. Und oft geht es um Themen, für die längst genug Informationen vorliegen, um zu entscheiden. Und am Ende verlassen die Teilnehmenden den Raum mit einer langen Aufgabenliste, aber ohne die eine Entscheidung, um die es eigentlich ging.

Hier berührt das Thema einen Punkt, der weit über Organisation hinausgeht. Sehr oft ist ein endloses Meeting in Wahrheit gar kein Organisationsproblem, sondern ein Entscheidungs- und Vertrauensproblem. Wo niemand die Verantwortung für eine Entscheidung übernehmen will, wird sie zerredet. Wo Führungskräfte befürchten, für eine falsche Entscheidung belangt zu werden, vertagt man lieber und lädt beim nächsten Mal noch zwei weitere Personen ein – zur Absicherung. Das größere Meeting ist dann nicht die Ursache, sondern das Symptom. Wer Besprechungen wirklich verbessern will, muss deshalb auch fragen, ob in seinem Unternehmen Entscheidungen sicher getroffen werden können, ohne dass derjenige, der entscheidet, ein Risiko für sich persönlich eingeht – warum diese psychologische Sicherheit ein handfester wirtschaftlicher Hebel ist, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben.

Eine Frage von Jeff Bezos, die sich jedes Unternehmen stellen sollte

Jeff Bezos gilt nicht ohne Grund als einer der erfolgreichsten Unternehmer unserer Zeit, und eine seiner bekanntesten Regeln betrifft genau dieses Thema. Sie ist als Two-Pizza-Rule bekannt: Wenn zwei Pizzen nicht ausreichen, um alle Teilnehmenden eines Meetings satt zu bekommen, sind wahrscheinlich zu viele Menschen im Raum.

Die Regel klingt zunächst charmant simpel, dahinter steckt aber ein ernster Gedanke. Je größer eine Runde wird, desto langsamer werden Entscheidungen, desto mehr Abstimmung entsteht, desto wahrscheinlicher bleiben einzelne Teilnehmende passiv – und desto schwerer lässt sich Verantwortung am Ende klar zuordnen. Viele Unternehmen erleben in der Praxis genau das Gegenteil dessen, was die Regel empfiehlt. Statt Teilnehmerkreise zu verkleinern, werden immer mehr Personen eingeladen: aus Sicherheitsgründen, zur Information, oder damit sich später niemand übergangen fühlt. Das Ergebnis sind Besprechungen, in denen viele Menschen ihre Zeit investieren, obwohl nur wenige tatsächlich etwas beitragen.

Interessant ist die Frage, warum so eingeladen wird. Meistens steckt keine schlechte Absicht dahinter, sondern dieselbe Unsicherheit, die auch Entscheidungen verzögert. Ein großer Teilnehmerkreis verteilt die Verantwortung auf viele Schultern – und genau das ist das Problem, denn Verantwortung, die alle tragen, trägt am Ende niemand.

Two-Pizza-Regel von Jeff Bezos: Zusammenhang von Teamgröße und Entscheidungsgeschwindigkeit
Die Two-Pizza-Regel: Größere Runden sind nicht sicherer, sondern langsamer und teurer. Jenseits von etwa sieben Personen sinkt die Entscheidungsfähigkeit, während die Kosten weiter steigen.

Die vier häufigsten Meeting-Probleme im Mittelstand

So unterschiedlich Unternehmen sind, die Muster ineffizienter Besprechungen ähneln sich erstaunlich stark. Vier davon begegnen mir in nahezu jedem Projekt.

1. Niemand weiß, warum das Meeting überhaupt stattfindet

Viele Besprechungen haben keinen klar benannten Zweck. Es wird informiert, berichtet und diskutiert, aber am Ende bleibt offen, welche Entscheidung eigentlich hätte getroffen werden sollen. Ein Meeting ohne klares Ziel kann definitionsgemäß nicht erfolgreich enden, weil niemand sagen kann, woran man Erfolg überhaupt erkennen würde.

2. Die falschen Personen sitzen im Raum

Je mehr Menschen teilnehmen, desto höher die Kosten und desto schwieriger oft die Diskussion. Größere Runden führen nicht zu besseren, sondern häufig zu vorsichtigeren Ergebnissen, weil offene Worte mit wachsendem Publikum seltener werden.

3. Entscheidungen werden vertagt

Vertagte Entscheidungen gehören nach meiner Erfahrung zu den teuersten Gewohnheiten überhaupt. Jede nicht getroffene Entscheidung erzeugt Folgeaufwand: einen weiteren Termin, eine erneute Vorbereitung, eine weitere Runde mit denselben Argumenten. Das Thema bleibt in der Schwebe und bindet Aufmerksamkeit, bis es endlich entschieden wird oder sich von selbst erledigt, meist zu ungünstigen Bedingungen.

4. Es gibt keine klare Verantwortung

Wer macht was bis wann? Erstaunlich viele Meetings enden ohne eindeutige Antwort auf diese drei schlichten Fragen. Solange sie offen bleiben, ist auch das beste Gespräch wirkungslos, denn aus Erkenntnis wird erst dann Ergebnis, wenn jemand namentlich die Umsetzung übernimmt.

Wie Unternehmen ihre Meeting-Kultur in vier Wochen verändern

Die gute Nachricht ist, dass sich die meisten dieser Probleme überraschend schnell lösen lassen – nicht durch neue Software und nicht durch ein dickes Regelwerk, sondern durch konsequente Führung. In Unternehmen, die produktiv arbeiten, beobachte ich immer wieder dieselben wenigen Prinzipien, und sie lassen sich in einem überschaubaren Zeitraum einführen.

In der ersten Woche geht es darum, Transparenz zu schaffen: Tragen Sie alle wiederkehrenden Meetings zusammen und ordnen Sie jedem einen klaren Zweck zu. Bei jeder Besprechung, deren Zweck sich nicht in einem Satz benennen lässt, lohnt die Frage, ob sie überhaupt noch gebraucht wird. In der zweiten Woche folgt die Disziplin der Vorbereitung: keine Besprechung ohne Agenda, und zwar rechtzeitig vorab, damit jeder vorbereitet kommt. In der dritten Woche geht es an die Teilnehmerkreise – hier hilft die Two-Pizza-Regel ganz praktisch, um zu prüfen, wer wirklich beitragen muss und wer lediglich informiert werden könnte, was auch anders als durch Anwesenheit gelingt. Und in der vierten Woche verankern Sie das Entscheidende: Jede Besprechung endet mit dokumentierten Entscheidungen und klaren Verantwortlichkeiten – wer macht was bis wann.

Allein diese vier Schritte führen in den allermeisten Fällen innerhalb weniger Wochen zu spürbaren Verbesserungen bei Produktivität, Geschwindigkeit und Zusammenarbeit. Wichtig ist dabei eines: Es geht nicht darum, möglichst viele Meetings zu streichen, sondern die verbleibenden so zu führen, dass die gewonnene Zeit tatsächlich als Entlastung ankommt und nicht sofort mit neuen Terminen gefüllt wird. Sonst verpufft der Effekt, und beim nächsten Anlauf glaubt niemand mehr daran.

Vier-Wochen-Plan für bessere Meetings, Woche für Woche
Bessere Meetings sind keine Großinitiative, sondern eine Frage konsequenter kleiner Schritte, umsetzbar in vier Wochen, ohne neue Software.

Was Sie nach dem Lesen wissen

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, betrachten Sie Besprechungen vermutlich nicht mehr als organisatorische Selbstverständlichkeit, sondern als das, was sie wirtschaftlich sind: eine laufende Investition, die Zeit, Aufmerksamkeit und Führungskapazität bindet. Sie können die wahren Kosten eines Regeltermins inzwischen grob überschlagen, und Sie wissen, dass die sichtbare Stunde im Kalender nur ein Bruchteil davon ist.

Vor allem aber wissen Sie, dass ein endloses Meeting selten ein reines Organisationsproblem ist. Dahinter steht häufig die Frage, ob in Ihrem Unternehmen Entscheidungen sicher getroffen werden können – und ob Verantwortung klar genug verteilt ist, dass nicht aus Vorsicht immer größere Runden zusammenkommen. Damit haben Sie zugleich einen Hebel in der Hand, der weit über Besprechungen hinaus auf Produktivität, Führung und Profitabilität wirkt.

Beobachtung aus der Praxis

Wenn ich auf die Unternehmen blicke, die besonders produktiv arbeiten, fällt mir eines auf: Sie haben nicht unbedingt weniger Meetings, sie haben bessere. Sie diskutieren weniger und entscheiden schneller, weil längst klar ist, wer entscheiden darf. Sie schaffen Klarheit statt Beschäftigung. Und sie behandeln die Zeit ihrer Führungskräfte als das, was sie tatsächlich ist – eine der wertvollsten und zugleich knappsten Ressourcen des Unternehmens.

Mir ist dabei wichtig, dass dies keine Frage von Härte ist. Es geht nicht darum, Gespräche abzuwürgen oder Menschen auszuschließen. Es geht darum, ihre Zeit zu respektieren. Wer Meetings konsequent führt, signalisiert jedem im Raum, dass seine Stunden wertvoll sind und nicht in Diskussionen ohne Ergebnis verbraucht werden dürfen. Gerade das schafft am Ende mehr Zufriedenheit, nicht weniger.

Wo geht in Ihrem Unternehmen Zeit verloren?

Wenn Sie den Eindruck haben, dass in Ihrem Unternehmen zu viel Zeit in Abstimmungen verloren geht, Entscheidungen zu lange dauern oder Führungskräfte dauerhaft im Tagesgeschäft gebunden sind, lohnt sich ein genauer Blick. In einem unverbindlichen Erstgespräch schaue ich mir Ihre Situation an und sage Ihnen offen, wo die größten Hebel für mehr Produktivität, bessere Führung und höhere Profitabilität liegen. Klar, direkt und ohne Berater-Floskeln.

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Häufige Fragen

Wie viel kosten Meetings ein Unternehmen tatsächlich?

Das hängt von Anzahl, Dauer und Teilnehmerkreis ab. Ein einziges wöchentliches Meeting mit zehn Führungskräften kann inklusive Vor- und Nachbereitung leicht 75.000 bis 100.000 Euro im Jahr binden. Über alle Regeltermine eines mittelständischen Unternehmens summiert sich das schnell auf einen erheblichen sechsstelligen Betrag – der nie auf einer Rechnung auftaucht.

Wie erkenne ich ineffiziente Meetings?

Typische Anzeichen sind fehlende oder vertagte Entscheidungen, unklare Verantwortlichkeiten am Ende, große Teilnehmerkreise und regelmäßige Folgetermine zum selben Thema. Ein einfacher Test: Wenn Sie nach einer Besprechung nicht in einem Satz sagen können, was entschieden wurde und wer es umsetzt, war das Meeting wahrscheinlich nicht effizient.

Was ist die Two-Pizza-Regel von Jeff Bezos?

Die Faustregel besagt, dass eine Meeting-Runde so klein sein sollte, dass zwei Pizzen ausreichen, um alle satt zu bekommen – in der Praxis etwa fünf bis sieben Personen. Dahinter steht die Beobachtung, dass kleinere Runden schneller entscheiden und Verantwortung klarer zuordnen.

Sind weniger Meetings automatisch besser?

Nein. Gute Besprechungen schaffen Orientierung und beschleunigen Entscheidungen. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern die Qualität. Ein Unternehmen mit wenigen, aber konsequent geführten Meetings ist fast immer produktiver als eines, das Termine reduziert, ohne die verbleibenden besser zu führen.

Warum dauern Entscheidungen bei uns trotz vieler Termine so lange?

Häufig liegt es nicht an den Terminen selbst, sondern daran, dass nicht klar ist, wer entscheiden darf oder dass das Entscheiden mit einem persönlichen Risiko verbunden ist. Wo Führungskräfte befürchten, für Fehlentscheidungen belangt zu werden, sichern sie sich durch weitere Abstimmungen ab. Dann hilft keine Meeting-Regel, sondern nur eine klare Entscheidungskompetenz und ein Klima, in dem Entscheiden erlaubt ist.

MK

Marianna Knöll begleitet inhabergeführte mittelständische Unternehmen dabei, Profitabilität nicht zu analysieren, sondern umzusetzen. Ihr Ansatz wurzelt in 17 Jahren Automobilindustrie und einem familiengeführten Handwerksbetrieb. Ihr Prinzip: Umsetzung statt Konzepte. Sie ist Autorin der dreibändigen Buchreihe „Profitabilität im Mittelstand“ – zuletzt erschienen: »Gewusst.« zu tolerierter Minderleistung.

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